Jeder Mensch hat ein Bedürfnis, sich selbst auszudrücken. Kinder freuen sich, wenn sie ihrer inneren Realität einen Ausdruck verleihen können.

Wenn sie von uns den sicheren Rahmen zur Verfügung gestellt bekommen, können sie sich diesbezüglich frei entfalten. Es ist, als würden wir unseren Kindern eine leere Leinwand zur Verfügung stellen und dann einen Schritt zu Seite machen und ihnen erlauben, sie auf ihre Art zu füllen.

Wir geben ihnen die Möglichkeit zum Selbstausdruck und begegnen ihrem kreativen Schaffen mit Wertschätzung. Unsere Freude an ihren Entdeckungen und Kreationen beflügelt wiederum ihren schöpferischen Geist.

Die leere Leinwand zur Verfügung stellen

Es genügt, wenn wir unseren Kindern die nötigen Materialien und Werkzeuge zur Verfügung stellen, die sie zum kreativen Schaffen einladen. Der Rest passiert von ganz allein, wenn wir es zulassen.
Wenn wir zulassen, dass Kinder manche Materialien anders verwenden, als wir uns das vorstellen. Wenn wir zulassen, dass Kinder ihre eigenen Ideen umsetzen, ohne ihnen vorzugeben, was am Ende rauskommen soll.

Übung: Die Kreativecke
Schaffe eine Kreativecke in Deinem Zuhause, wo Dein Kind eigene Projekte beginnen kann.
Das kann auch einfach eine Kiste oder ein Regal sein, in dem die Sachen einen guten Platz finden. Dort sollten verschiedene Materialien zur Verfügung stehen, die Inspirationen liefern und Aufforderungscharakter haben. Z.B. Korken, Papprollen, Schachteln, Wattestäbchen, Draht, Wolle, Klebstoff, Schere, Stifte, Papiere, Knöpfe, Tixo, Naturmaterialien (z.B. Federn, kleine Äste, Muscheln, Steine, Zapfen,…), Stoffreste,…
Wie Du siehst, sind das oft Materialien, die ohnehin im Alltag anfallen und die sich wunderbar für Kreativprojekte einsetzen lassen.

Die Magie des Gestaltens

Kinder haben eine lebhafte Fantasie. Unsere Aufgabe ist es, dieser Fantasie Raum zu geben. Die Erfahrung, aus Nichts Etwas zu machen, ist eine Definition von Kreativität. Dieser schöpferische Akt hat durchaus eine spirituelle Komponente. Das Erlebnis von Selbstwirksamkeit ist auch eine Komponente von Resilienz, also seelischer Widerstandskraft.

Übung: Erzähl mir….
Erzähl Deinem Kind eine Geschichte, frei erfunden oder real erlebt. Dann lass Dir von Deinem Kind eine Geschichte erzählen. Du kannst eventuell eine kleine Hilfestellung geben, in dem Du einen Impuls anbietest. Z.B. Erzähl mir eine Geschichte von einem Pferd. Erzähl mir eine Geschichte über Deine Eisenbahn.
Oder wenn Dein Kind ein Lieblingsbuch hat, könnt ihr fantasieren, was vorher und nachher in der Geschichte passiert. Ihr könnt eine Nebenfigur der Geschichte zur Hauptfigur machen und deren Geschichte erfinden,… .
Lass Dich überraschen, welche Geschichten Deinem Kind in den Sinn kommen! Und bewerte sie nicht, weder hinsichtlich des Realitätssinns, der moralischen Standards…. .

Probiere alles aus!

Kinder experimentieren mit verschiedenen kreativen Ausdrucksformen. An einem Tag wollen sie malen, an einem anderen Tag mit Ton kneten, Musik machen, sich verkleiden, … . Auch wenn wir selbst eine Lieblingsausdrucksform haben, sollten wir unseren Kindern nicht unbedingt diese Richtung aufdrängen. Oder umgekehrt, wenn unser Kind eine Vorliebe für eine Ausdruckform hat, die unseren eigenen Vorstellungen nicht entspricht, sollten wir ihm dennoch die Möglichkeit dazu geben, diese zu leben.

Und bei all dem ist der Prozess wichtiger als das Endergebnis. Es dürfen Fehler passieren, es darf auch mal etwas nicht funktionieren, es geht um die Erfahrungen. Denn dadurch lernen Kinder, dass man immer wieder neu beginnen kann und es eine neue Chance gibt.

Übung:
Zähle 5 kreative Angebote auf, die Du mit Deinem Kind machen könntest.
Mach keinen Druck und akzeptiere, wenn Dein Kind keine Lust dazu hat.

Zähle 5 kreative Aufgaben auf, die Du selbst ausprobieren könntest. Das müssen keine aufwändigen oder kostspieligen Dinge sein. Sie sollten Dich lediglich ein Stück aus Deiner Komfortzone holen.
z.B. ein Gedicht schreiben, ein Lied für Dein Kind singen, auch wenn Du glaubst, Du kannst nicht singen, zur Lieblingsmusik tanzen,…

Wähle aus jeder Liste einen Punkt aus und probier ihn aus!

Dokumentation

Eine Möglichkeit, den kreativen Schöpfungen unserer Kinder Wertschätzung entgegenzubringen, ist eine Art Ausstellung oder Bilderwand in der Wohnung oder im Haus zu schaffen. Hier habe ich einige Ideen dazu gesammelt.

Es macht Sinn, einen definierten Bereich dafür auszuwählen, denn manche Kinder haben so ein starkes Ausdrucksbedürfnis, das oft nicht mit dem zur Verfügung stehenden Platz korreliert J
Wenn also der Platz im Regal oder an der Wand voll ist, kann man gemeinsam mit dem Kind überlegen, welches Objekt oder Bild ausgetauscht werden kann.
In Zeiten digitaler Fotografie ist die Dokumentation ohnehin sehr einfach. Da lassen sich von allen Kreationen Fotos schießen und bleiben in Erinnerung. Ob als Bildschirmschoner am Computer oder als rotierende Galerie in einem digitalen Fotorahmen, so bleiben die Erinnerungen lebendig.

Einen besonderen Reiz haben auch heute analoge Fotoalben, in die man die besten Fotos und Erinnerungsstücke einklebt und vielleicht sogar noch hübsch gestaltet.