Die Aufgabe der heurigen Sommerpost2020 von Post.Kunst.Werk. lautete:

„Entwerfe deine Traum-Briefmarke mit individuellem Rand, schnitze das Motiv aus Gummi, Linol oder vielleicht sogar aus Holz, drucke es ein-oder mehrfarbig. Gerne darfst du den Druck auch colorieren oder kombinieren mit einer anderen Technik, z.B. Zeichnung oder Collage.

Präsentiere die Marke auf einer Karte im Postkartenformat, klebe sie nicht auf, lass dir etwas einfallen, wie du sie fixiert, damit sie nicht herausfällt: Baue ihr einen Rahmen, ein Mini-Album, eine Klapp-Karte. Verpacke sie mit viel Liebe, erzähle ihre Geschichte, verschicke sie im geschlossenen schönen Umschlag. Denn alles zusammen ist Postkunst!“

Was für eine schöne Idee!
Sofort sammelte ich Ideen in meinem Notizbuch, machte Skizzen, verwarf Ideen und Schritt für Schritt entwickelte sich mein Projekt.

Um mich nicht von den anderen Ideen und Postkunstwerken, die dann ja eifrig auf Instagram geteilt werden, von meinen Impulsen ablenken zu lassen, bin ich da immer recht früh dran. Als Unterstützerin des Post.Kunst.Werks. bekomme ich die Infos zur Aktion bereits vorab und hab somit länger Zeit zum Ideen spinnen :-).

Hier möchte ich Dich ein bisschen hinter die Kulissen blicken lassen:

Meine Assoziationen zu „ins Blaue“ waren u.a. Reisen, Meer, Wasser, Ungewissheit und Überraschungsmoment.

Idee Nr. 1:
Ich dachte zuerst an Papierschiffchen und Wellen.
Dann an die Verpackung, die ja auch liebevoll gestaltet werden sollte. Da fiel mir die Flaschenpost als Verpackung ein.
Ich experimentierte mit den Hüllen von Glitzer und alten Knopfschatullen (Glasphiolen kamen versandtechnisch nicht in Frage), doch der Brief wäre dann zu hoch für einen Standardbrief gewesen. Außerdem hätte die Briefmarke wohl nach dem Rausnehmen nicht mehr so toll ausgesehen.

Also Idee Nr. 2::
Ich dachte an Bullaugen von Schiffen und wollte die Briefmarke hinter ein Folienfenster oder eine alte Kunststoffverpackung einbetten. Das hat dann leider nicht so funktioniert wie ich wollte, doch das Bullauge lieferte die Idee für die Gestaltung des Kuverts. Ich druckte mit der runden GelliPlate und Luftpolsterfolie eine Art Guckloch aus dem Bullauge auf Aquarellpapier, das ich mit dem Envelope Punchboard ganz einfach zu Kuverts falten konnte.

gelliplate druck sommerpost2020

Idee Nr. 3, 4, 5, 6, 7,…..:
Mir gefiel die Idee der Flaschenpost und so skizzierte ich einen Stempelentwurf mit einer Flaschenpost.
Den Briefmarkenrand habe ich mit dem Linolmesser geschnitzt.
Ich war schon recht zufrieden, doch auf weissem Papier gestempelt sah er noch etwas unfertig aus.

Da fiel mir ein alter Atlas aus meiner Collagensammlung ein.
Ich stempelte die Flaschenpost auf Meere, Seen und Gewässer dieser Welt.

sommerpost2020_marke

Das Papier war allerdings ziemlich dünn und so klebte ich die Marke auf ein handgeschöpftes Papier aus Vietnam, das mir eine Freundin von einer Reise mitbrachte (passte also auch zum Thema :-))
Ich schnitt die Marke mit einer Wellenschere aus. So entstand ein Briefmarkenrand, der auch ein bisschen mit dem Element Wasser in Verbindung steht.

Irgendetwas fehlte mir noch, ich hatte allerdings noch nicht die zündende Idee, also legte ich sie mal zur Seite und widmete mich der „Verpackung“.

Ich hatte die Idee, die Flaschenpost aus dem Meer zu ziehen und zwischen verschiedenen Papierschichten einzubetten.
Experimente mit Aquarellpapier waren nicht zufriedenstellend, da es mir für die Wellen zu steif erschien.
Dann fiel mir ein, dass mir eine Freundin kürzlich Wenzhou-Papier empfohlen hatte.
Ich kaufte mir eine Rolle und begann mit Farbexperimenten. Die Saugfähigkeit und Zartheit des Materials überzeugten mich und so färbte ich verschiedene Bögen mit flüssiger Wasserfarbe ein.

sommerpost2020
Ich riss das Papier mit den unterschiedliche Blautönen in Wellenstreifen. Ich wollte bewusst keine geraden Schnittkanten.
Der Charakter des gerissenen Papiers war weicher und runder.

sommerpost2020

Ich legte jeweils 5 Streifen überlappend übereinander und nähte sie wellenförmig auf Aquarellpapier.

sommerpost2020

Um die Unendlichkeit des Meeres zu symbolisieren, liess ich das Papier über die Kanten der Postkarte „fliessen“.
Ich nähte ein Stück Häkelgarn mit, es sollte der Angelhaken für die Flaschenpost sein.
Als Angel verwendete ich einen Fädelstift für Schmuck (ich weiss gar nicht genau, wie das heisst), den ich in Form bog und an den Faden band.

Um die Briefmarke angeln zu können, bekam die Flaschenpost noch ein Band um den Hals, an dem ich die Angelschnur befestigen konnte.

sommerpost2020

Ich wollte dann doch noch eine Beschriftung der Flaschenpost und mit etwas Fitzelei gelang mir ein krakeliger Schriftzug in passender Größe, den ich in einem Orangeton dazustempelte.

Auf die Rückseite klebte ich ausgeschnittene Wörter und Satzteile als Botschaft aus der Flaschenpost. Für jede Teilnehmerin eine andere.

sommerost2020

Nun war ich richtig zufrieden 🙂

Das Symbol der Flaschenpost spiegelt diese Ungewissheit der Reise und den Überraschungsmoment wider.
So wie auch beim kreativen Prozess, der auch nicht so planbar und geradlinig ist (wie Du meinen Ausführungen entnehmen kannst ;-)). Wenn Du einmal eintauchst in den kreativen Flow, dann ergeben sich manche Dinge scheinbar zufällig und fühlen sich dann so genau richtig an, das das Herz vor Freude hüpft. Ach, ich liebe es ….

Den Text noch auf die Rückseite schreiben – mit blauer Tinte natürlich ;-), ab ins Kuvert, adressieren und mit einer blauen Postmarke aus meiner Briefmarkensammlung verschliessen.

sommerpost2020

Dann hiess es warten, bis ich dran war mit Versand … ich hätte eigentlich bis Woche 37 warten müssen, um meine Schätze auf die Reise zu schicken. Eine glückliche Fügung verschaffte mir einen Wochentausch, also hiess es bereits „Ab die Sommerpost2020“.

sommerpost2020

Nun freu ich mich auf die Post, die in den nächsten Wochen bei mir eintrudelt und danke Michaela Müller und Tabea Heinicker für diese wunderbare Sommerpost2020-Idee <3.

Liebe Grüße,
Melanie