Der Garten war in unserer Familie immer sehr wichtig. Das anfangs lehmige, grenzenlose und graslose Stück Erde ist im Lauf der Jahre nicht nur gewachsen und aufgeblüht, sondern auch mit den Bedürfnissen unserer Familie mitgewachsen und zu einer richtigen Grün-Wohlfühl-Oase geworden.

Für meinen Vater begann der Tag immer mit einer Gartenrunde und hörte der Tag mit einer Gartenrunde auf. Gäste wurden obligatorisch durch den Garten geführt und alle Pflanzen mussten bewundert werden. Das habe ich lange nicht verstanden.
(Jetzt habe ich mit meiner kleinen Familie eine Wohnung mit Balkon und erfreue mich auch in der Früh und am Abend und zwischendurch an den grünen, duftenden und blühenden Mitbewohnern 🙂 – und teile diese Freude durchaus mit meinen Gästen)

Als Kind erschien mir der Garten immer riesig. Und es war dort so viel möglich.
Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Zu jeder Jahreszeit.

Radfahren, Hüpfball springen, Wettrennen vom Haus bis zum Gemüsebeet, Seilspringen, Becherlauf, Schaukeln, Fangen und Verstecken spielen, Weidenzaun flechten, Palmkätzchen für den Osterstrauch abschneiden, Ostereier suchen zwischen den Büschen, Frösche und Libellen im Biotop beobachten, Sandkuchen backen in der Traktorreifen-Sandkiste (so cool!),  Splish-Splash im Planschbecken, Löwenzahnkränze binden, frisch gepflückter Beerenschmaus auf der Picknickdecke oder in der Hängematte, Würstel und Erdäpfel grillen, Gartenfeste, abenteuerliche Gartenübernachtungen im Zelt, Schneeballschlachten, Schneemann und Iglu bauen,….

Aber auch bei den Gartenarbeiten waren wir als Kinder immer voll dabei. Säen, Unkraut jäten, Rasenmähen, Rechen, Regenwürmer sammeln, Gießen und Ernten (Ribiseln, Erdbeeren, Stachelbeeren, Kirschen, Fisolen, Kohlrabi, Karotten, Paradeiser, Radieschen, Erbsen, Salat,…). Das Obst und Gemüse waschen, schneiden, einfrieren oder zu Marmelade, Saft und Kuchen verarbeiten.
Frische Kräuter für den Topfenaufstrich oder die Petersilerdäpfel direkt aus dem Garten holen.

Hinter dem Garten war ein großes Feld, das von den Bauern bewirtschaftet wurde und als Kinder verbrachten wir Stunden beim Beobachten von Pflügen, Mähdreschern, „Packerlmaschinen“ und Düngefahrzeugen. Ganz großes Kino war das damals.

Nur Gänseblümchen waren in meiner Kindheit im Garten immer eine Seltenheit und umso freudiger wurde ihre Anwesenheit gefeiert. Irgendwann hat meine Mutter Gänseblümchen eingesetzt und mittlerweile gibt es sie in Hülle und Fülle 🙂
Und Gartenzwerge hatten wir glaub ich auch nie.

Gänseblümchen und Gartenzwerge gab es dafür in Omas Zaubergarten, aber das ist eine andere Geschichte…  .

Grüne Grüße,
Melanie