„Ich habe das Baguette getragen!“ könnte meine Tochter heute erzählen. Für die Wassermelone á la Dirty Dancing reichen die Kräfte dann doch noch nicht 😉
Sie hat das Baguette heute ganz stolz den ganzen Weg vom Supermarkt bis nach Hause getragen, und währenddessen noch an der einen oder anderen Blume am Wegesrand geschnuppert, sich an vorbeikommenden Hunden, Vögeln und Bienen erfreut und das Geräusch des Hubschraubers über uns mit einem aufgeregten Laut kommentiert.

So viel Abenteuer auf 200 Metern Strecke.

Ja, das Abenteuer Alltag ruft.
Mit Kleinkind sehe ich diese Abenteuer gerade wieder bewusster.

Ich habe ja schon in dem einen oder anderen Beitrag von unseren kreativen Expeditionen (z.B. vom Besuch im Museum) erzählt.
Und oft braucht es dazu gar nicht viel.
Kürzlich waren wir im CARLA Caritasladen stöbern und Fräulein Kunterbunt war eifrig am Erkunden und Umdekorieren J

Am Heimweg konnte sie dem Brunnen am Franz Jonas Platz nicht widerstehen und so kühlten wir unsere Füße im Wasser und lauschten dem Klarinettisten, der das Pippi Langstrumpf-Lied gespielt hat. Echt jetzt!


Und von solchen kleinen Momenten könnte ich ganz viele erzählen,…
*  durch den Tunnel aus Wäscheständer und darübergebreiteter
Decke laufen und dabei die Lichterkette hinter sich herziehen
*  Brombeeren frisch vom Strauch in den Mund pflücken
*  beim Heimkommen im Hausflur den Hall der eigenen Stimme wahrnehmen
* beim Lift die Knöpfe drücken
* beim Kuchenbacken helfen und dabei den Finger ganz tief in den Staubzucker
stecken und genüßlich abschlecken
* uvm.

Wie schon der Pfadfinder-Junge Russell im Film „Oben“ sagt:

That might sound boring, but I think the boring stuff is the stuff I remember the most.

Und ich erinnere mich auch an meine Alltags-Ferienabenteuer.
Von den Abenteuern im Garten habe ich Dir bereits erzählt und von den Abenteuern im Kopf und auch vom Abenteuer Werkstatt.

Und ich erinnere mich an den morgendlichen Einkauf mit meiner Mutter. Wenn es frisches Landsteinerbrot vom Meinl gab (inkl. obligatorischem Wurstradel vor Ort von der Wurstverkäuferin). Zuhause mit Butter und Salz. Ein Gedicht.
Und manchmal gab es ein Bussi-Bär Heft aus der Trafik.

Und wenn ich mit meinem Vater in die Arbeit gehen und auf seiner Schreibmaschine schreiben durfte. Sogar mit Durchschlagpapier.  Während ich schrieb und der Klang der Tasten in meinen Ohren hallte und es nach jeder Zeile pling machte und die Walze beim Weiterrollen so ein typisches Geräusch machte, verkaufte er im Hintergrund Keilriemen, Muttern, Beilagscheiben, Schrauben, Gummidichtungen,… und was man sonst noch so für landwirtschaftliche Maschinen brauchte.

Und als ich in den Ferien bei meiner Oma war und vorm Mittagessen am Zaun stand, die vorbeifahrenden Autos zählte und darauf wartete, bis der Golf Rabbit meiner Tante um die Ecke bog.

Und als ich auf dem Dachboden meiner Oma spielte und unter der Dachschräge die Stöckelschuhe meiner Tante anprobierte, die natürlich noch viel zu groß waren.

Und, und, und,….

Und an welche Alltags-Abenteuer erinnerst Du Dich?

liebe Grüße
Melanie